Der Diwan – Das arabische Kulturhaus öffnet seine Türen in Berlin
Berlin gilt seit Jahrzehnten als Hauptstadt des Kulturdialogs – und mit der Eröffnung von Der Divan, dem Arabischen Kulturhaus, hat die Stadt einen weiteren, bemerkenswerten Ort des Austauschs gewonnen. Das Haus in Berlin-Zehlendorf versteht sich als lebendige Brücke zwischen zwei Welten: der deutschen und der arabischen Kultur.
Ein Name mit Geschichte
Der Name ist Programm. Der Divan trägt seinen Titel in bewusster Anlehnung an Johann Wolfgang von Goethes berühmte Gedichtsammlung West-östlicher Divan, die 1819 erstmals erschien. Goethe ließ sich damals vom persischen Dichter Hafez inspirieren und schuf damit ein Werk, das Orient und Okzident in einen poetischen Dialog treten lässt. Genau dieser Geist – Neugier, Offenheit, gegenseitige Bereicherung – prägt das Kulturhaus bis heute.
Der Diwan als Begriff ist im Arabischen und Persischen vielfach belegt: Er bezeichnete Gedichtsammlungen, Empfangshallen, aber auch Orte der Begegnung und des Gesprächs. Passender hätte man ein Kulturhaus kaum benennen können.
Eröffnung mit politischem Signal
Der Divan wurde 2017 gemeinsam vom damaligen deutschen Außenminister Sigmar Gabriel und seinem katarischen Amtskollegen Mohammed bin Abdulrahman Al Thani eröffnet. Dass zwei Außenminister einer Kultureinrichtung die Bühne bereiteten, war kein Zufall – es war ein bewusstes politisches Statement. Kulturelle Zusammenarbeit ist Außenpolitik, und der Divan verkörpert diesen Grundsatz auf besonders eindrückliche Weise.
Das Haus residiert in der neoklassizistischen Villa Calé an der Schützallee 27 in Berlin-Zehlendorf, einem ruhigen Südwesten der Hauptstadt. Die elegante Architektur des Gebäudes spiegelt die Ambitionen des Hauses wider: Es soll ein repräsentativer, zugleich einladender Ort sein – kein Museum, sondern ein Treffpunkt.
Was Der Divan bietet
Das kulturelle Programm ist breit gefächert. Der Divan bespielt die Bereiche Kunst, Musik, Literatur, Film, Performing Arts und Sprache. Ausstellungen zeitgenössischer arabischer Künstler wechseln sich mit Konzerten, Lesungen und Filmvorführungen ab. Sprach- und Kulturveranstaltungen richten sich explizit auch an ein deutsches Publikum, das arabische Kultur bislang vielleicht nur aus den Nachrichten kannte – und nun eine differenziertere Perspektive gewinnen soll.
Kunst jenseits der Klischees
Eines der erklärten Ziele des Hauses ist es, arabische Kultur in ihrer ganzen Vielfalt sichtbar zu machen. Das bedeutet: zeitgenössische Kunst neben klassischer Kalligraphie, politisch engagierter Film neben heiterer Musikperformance. Kunstleben Berlin führt Den Divan als feste Adresse im Berliner Kulturkalender – was zeigt, dass das Haus längst in der Stadtgesellschaft angekommen ist.
Ein Ort für alle
Der Divan versteht sich ausdrücklich nicht als Rückzugsraum für eine bestimmte Community, sondern als offener Begegnungsort. Familien, Schulklassen, Studierende, Kulturinteressierte – das Programm spricht viele Zielgruppen an. Die Deutsch-Arabische Gesellschaft, die seit 1966 für den Kulturaustausch zwischen Europa und der arabischen Welt eintritt, ist ein langjähriger Partner in diesem Netzwerk aus Institutionen, die ähnliche Ziele verfolgen.
Katar als Kulturdiplomatie
Dass Katar hinter der Gründung des Divan steht, ist kein Zufall. Das Emirat investiert seit Jahren systematisch in Kulturprojekte weltweit – vom Ausbau der Museen in Doha bis zu Partnerschaften mit europäischen Kulturinstitutionen. Berlin ist dabei ein wichtiger Knotenpunkt: Als politische Hauptstadt und Kulturmetropole bietet die Stadt die ideale Bühne für ein Projekt, das Verständigung durch Kunst anstrebt.
Das Arabische Kulturhaus in Berlin ist damit weit mehr als eine Ausstellungsfläche. Es ist ein diplomatisches Instrument in sanfter Sprache – und ein Beweis dafür, dass Kultur Türen öffnet, wo Politik manchmal an Grenzen stößt.
Berlin als Ort des Dialogs
Berlin hat eine besondere Bedeutung für den interkulturellen Dialog. Die Stadt beherbergt eine der größten arabischsprachigen Gemeinschaften in Deutschland, und das kulturelle Angebot für und von arabischen Berliner:innen wächst stetig. Das Veranstaltungsportal berlin.de listet Den Divan als feste Kulturadresse – ein Indiz für die institutionelle Anerkennung, die das Haus inzwischen genießt.
Mit Der Divan hat Berlin eine Institution gewonnen, die zeigt: Begegnung auf Augenhöhe ist möglich. Und sie beginnt oft mit einem Gedicht, einem Bild oder einem Konzertabend.