Kultur


In Katar werden Traditionen sorgsam gepflegt, zugleich aber auch wird das kulturelle Erbe bereichert und an die moderne Zeit angepasst. Als Teil dieser strategischen Vision hat das Herrscherhaus den Hohen Rat für Kultur, Kunst und kulturelles Erbe eingerichtet (Supreme Council of Culture, Arts and Heritage) und dem Emirat damit einen wichtigen Platz auf der kulturellen Landkarte der arabischen und islamischen Welt zugewiesen.

Seemänner und Perlentaucher

Boot

Seit jeher hat das Meer im Alltagsleben der Kataris eine lebensspendende Bedeutung – vor der Entdeckung der Erdölvorkommen lebten die Menschen vor allem vom Fischfang und dem Perlenhandel, einer der wichtigsten Einnahmequellen des Landes. Seit der Ersetzung von natürlichen durch Zuchtperlen aus Japan ist das Perlentauchen, einer der ältesten Berufszweige in der Golfregion, unrentabel geworden. 
Noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts und vor Entdeckung und Ausbeutung der Erdölvorkommen, war der Schiffsbau einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in Katar. Heute gibt es im Land nur noch eine einzige Werkstatt für Schiffsbau, die Werkstatt des Emirs.

Die Falkenzucht

Soug-Waqif

Die Menschen in Katar und der Golfregion sind bekannt für ihre Leidenschaft für die Falkenzucht. Dieses Hobby wird vom Vater auf den Sohn vererbt, denn die Menschen in der Region verbinden damit auch Werte wie ritterliches Benehmen, Mut, Geduld, Fleiß und Sorgfalt. Vor allem im Winter gehen die Menschen dieser Freizeitbeschäftigung nach – zunächst bei der Falkenjagd, später beim Abrichten der Vögel.

Traditionelles Handwerk

HandwerkWeit verbreitet ist Al Sadu, die traditionelle Weberei – eine Kunst des Spinnens und Webens, die vor allem in den Wüstenorten der Beduinen ausgeübt wird, da sie eng mit der Verfügbarkeit der benötigten Rohstoffe verbunden ist, Schafwolle, Kamel- und Ziegenhaar sowie Baumwolle. Der Sadu ist allein den Frauen vorbehalten. 
Die Goldschmiedekunst und der Handel mit Juwelen und kostbaren Steinen sind zwei der ältesten Formen des traditionellen Kunsthandwerks; seit langer Zeit werden die Namen einiger weniger Familien mit diesem Kunsthandwerk in Verbindung gebracht, die Fertigkeiten von Generation zu Generation vererbt. Zu den ältesten Handwerkskünsten gehören auch die Kunst der traditionellen Stickerei von Männer- und Frauenkleidung und die Verkleidung von Häusern, Festungen, Burgen, Türmen und Moscheen mit Gips, einem Werkstoff, der selbst den härtesten klimatischen Bedingungen standhält.

Kunst und Folklore

Die geographische Lage Katars auf der Ostküste der Arabischen Halbinsel spiegelt sich im kulturellen Erbe des Landes wider. Die langjährigen Verbindungen zu den Ländern auf dem Indischen Subkontinent und in Afrika prägten die Kultur des Emirats vor allem in der Folklore und der Volkskunst. Charakteristisch für Kunst und Folklore ist, wie in den anderen Staaten des Golf-Kooperationsrates auch, vor allem die Vielzahl von Musikinstrumenten wie der indischen und der afrikanischen Trommel, dem Tambourine, das in sämtlichen Folklore-Darbietungen zur Aufführung kommt, sowie die Al-Mirwas, eine kleine Trommel, die mit einer Hand gehalten und den Fingern geschlagen wird. Gleiches gilt für die Al-Sirnai und das Rebec, einen Vorläufer der heutigen Violine, dessen (einzige) Saite mit einem Bogen aus Pferdehaar gespielt wird sowie die Laute.
Es gibt eine Vielzahl von volkskundlichen Liedern und Tänzen, die in Katar von Künstlern oder Künstlergruppen aufgeführt werden. Besonders berühmt ist der Ar-razif, ein komplizierter, von einem einzelnen Mann dargebotener Schwerttanz.

Katar tritt engagiert für eine Bewahrung des folkloristischen Erbes ein – so etwa endete ein diesbezügliches Treffen der Golfstaaten in Doha (das erste seiner Art überhaupt) mit der Gründung des Folklorezentrums in Doha, das 1991 zu einer autonomen Unterorganisation des Golf-Kooperationsrates wurde. Wichtigste Aufgabe dieses Zentrums ist die Bewahrung des folkloristischen Erbes. In Koordination mit der UNESCO und der Weltorganisation für Geistiges Eigentum ist das Zentrum bestrebt, die Folklore als landeseigenen Brauchtum vor der Ausbeutung durch das Ausland zu schützen, als sittlichen Wert und materielles Recht der Vertragsstaaten.